Wenn es um die Lagerhaltung geht, ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen

Das Beste aus Ihrem Lager herauszuholen, ist eine tägliche Herausforderung für Ihren Logistikmanager und die Aufgabe wird noch komplizierter, wenn Sie gefährliche oder gefährliche Güter lagern und versenden.

Gian Schiava, der für Eureka, das Online-Magazin für Materialhandling-Profis, schreibt, hat kürzlich ein Interview mit Rene Geujen, einem Spezialisten für Logistikimmobilien und Director Plan Development bei Next Level Development, geführt, um herauszufinden, wie sich Einrichtungen für diese Art von Lagerhaltung von „normalen“ Lagern unterscheiden.

Heureka: Welche Anpassungen müssen bei der Lagerhaltung vorgenommen werden, wenn es um Gefahrgut geht?

Rene: In der Praxis bestimmen die zu lagernden Mengen die vorzunehmenden Anpassungen, und wir sehen drei verschiedene Stufen mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die erste ist die einfache Anpassung. Gefährliche Güter wie z.B. Batterie für Gabelhubwagen können bis zu einer bestimmten Tonnage in Gefahrgutcontainern gelagert werden und es sind kaum Änderungen am Gebäude selbst erforderlich. Das Risiko wird überschaubarer, wenn man diese gefährlichen Güter über das ganze Lager verteilt. Die baulichen Maßnahmen beschränken sich auf Lüftungsanlagen und zusätzliche Anschlüsse an Brandschutzsysteme.

Die zweite Variante ist die eingebaute Variante, auch „Box-in-a-Box“-Lösung genannt. Hier müssen Änderungen an der Gebäudestruktur und dem Fundament vorgenommen werden, um einen bestimmten Feuerwiderstand zu erreichen, wie bei doppelten Stahlkonstruktionen. Auch hier ist die Aufteilung entscheidend, ebenso wie die Entscheidung über die Kompartimentierung: Wie groß müssen die Räume sein und wie flexibel sollte man diese Kompartimente gestalten? Auch die Gefahrenklassifizierung der Güter selbst bestimmt viel.

Die letzte Kategorie ist das eigentliche Gefahrgutlager. ADR ist das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR), das 1968 in Kraft getreten ist. Das ADR-Lager ist eine eigene Immobilienkategorie und ist speziell für die Lagerung und den Umschlag von Gefahrgut gebaut. Das gesamte Layout ist anders; es enthält viel weniger Einheiten und hat ein Betondach und manchmal ist die gesamte Konstruktion aus Beton. Weitere Merkmale sind z. B. unterschiedliche Industrietore, um Löschschaum/Wasser bei Bränden einzudämmen, und in immer mehr Fällen werden Kohlendioxid-Feuerlöschanlagen anstelle von Schaum oder Wassersprinklern eingesetzt, die weniger Schaden am Lager verursachen.

Eureka: Sie haben Gefahrenklassen erwähnt. Welche sind das?

Rene: In den Niederlanden haben wir die sogenannte PGS15-Richtlinie, die die verschiedenen Klassen zusammenfasst. Hier ist der Anwender dafür verantwortlich, die richtigen Genehmigungen zu bekommen. In fast allen Fällen wird der Anwender von einem fachkundigen Berater begleitet, der sich mit der kniffligen Materie der Verfahren und der Gesetzgebung auskennt.

Das oben erwähnte ADR legt neun Klassen fest, die von explosiven Stoffen und Gegenständen über Gase bis hin zu brennbaren Flüssigkeiten reichen.
Eine weitere wichtige europäische Richtlinie, die es zu beachten gilt, ist die Seveso-Richtlinie.

Eureka: Welches sind die wichtigsten Wirtschaftszweige, die mit diesen Arten von Gütern umgehen müssen?

Rene: Der prominenteste Sektor ist wahrscheinlich die chemische Industrie, einschließlich chemischer Derivate wie Farben oder Schmiermittel. Andere Beispiele sind Einzelhandelsketten, die Pharmaindustrie und die Lebensmittelbranche, wo Zitronensäuren überall verwendet werden.

Eureka: Arbeitet Next Level Development bei der Entwicklung dieser Speziallager mit Experten zusammen?

Rene: Ja, wir haben Spezialisten im Haus, aber wir arbeiten auch mit spezialisierten Beratern zusammen, da sich die Gesetzgebung immer ändern kann. Auch die Sicherheitsbeauftragten des Kunden werden mit einbezogen. Interessant ist, dass wir auch mit dem Verwaltungspersonal des Kunden zusammenarbeiten, denn Unternehmen, die Gefahrgutlager nutzen, müssen jederzeit genau wissen, wie viel auf Lager ist, und deshalb müssen ihre IT-Systeme in der Lage sein, diese Informationen zeitnah zu liefern.

Eureka: Können Sie zusammenfassen, welche Normen und Gesetze die Unternehmen einhalten müssen?

Rene: Wie im Beispiel der PGS15-Richtlinie in den Niederlanden wird jedes Land seine eigene Gesetzgebung haben. Aus europäischer Sicht sind ADR und die Seveso-Richtlinie entscheidend.
Die Seveso-Richtlinie entstand, als ein katastrophaler Unfall in der italienischen Stadt Seveso im Jahr 1976 die Verabschiedung von Gesetzen zur Prävention und Kontrolle solcher Unfälle zur Folge hatte. Die so genannte Seveso-Richtlinie wurde später im Hinblick auf die Lehren aus anderen Lagerunfällen wie Bhopal, Toulouse und Enschede (Feuerwerk!) geändert, woraus die Seveso II entstand.
Die Richtlinie gilt für mehr als 12.000 Industriebetriebe in der EU, in denen gefährliche Stoffe in großen Mengen verwendet oder gelagert werden. Diese befinden sich hauptsächlich in der chemischen und petrochemischen Industrie sowie im Bereich des Brennstoffgroßhandels und der Brennstofflagerung (LPG/LNG).

In Anbetracht des Tempos der Industrialisierung in der EU hat die Seveso-Richtlinie dazu beigetragen, eine niedrige Rate schwerer Unfälle zu erreichen, und wird weithin als Maßstab für die Industrieunfallpolitik angesehen, da sie als Vorbild für die Gesetzgebung in vielen Ländern weltweit diente.

Eureka: Welche Trends sehen Sie für diese Art von Logistikimmobilien?

Rene: In der Tat werden immer mehr Produkte als „Gefahrgut“ gekennzeichnet und daher werden sich immer mehr Unternehmen mit diesem Thema beschäftigen müssen.

Die Lagerung und der Transport von Gefahrgut ist keine leichte Aufgabe. Ob man nun eine bestehende Lagerhalle anpasst oder ein hochmodernes ADR-Lager von Grund auf neu entwickelt, es bleibt ein sich ständig weiterentwickelndes Thema – und die sich ständig weiterentwickelnde Gesetzgebung ist Grund genug, einen eigenen Sicherheitsbeauftragten einzustellen.

Kategorien: Stapler

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